Chlamydophrys stercorea  Cienkowski, 1876

 

Diagnosis: mature cysts yellowish brown, 12-15 µm in diameter; multiplication by budding;

 

Dimensions: Test length 18-20 by 12-15 µm.

 

Ecology: coprozoic and fresh water.

 


 

The original description of Cienkowski is:

 

Chlamydophrys stercorea, nov. gen. et nov. sp.

Bei mycologischen Untersuchungen der meist bewohnenden Pilze traf ich oft eine Monothalamie, die mit der von Schneider unter dem Namen Diffugia Enchelys beschriebenen identisch ist — und zu Lecythium hyalinum in nächster Beziehung steht. Der Körper dieses Rhizopoden ist so gebaut, wie bei Euglypha.
Eine äquatoriale Zone teilt ihn in zwei fast gleiche Abschnitte: in einen vorderen kernigen, vakuolenreichen und hinteren glashellen, der einen Nukleus mit Nukleolus einschließt (Fig. 73). Die äquatoriale Zone hat einen geraden oder gebogenen Verlauf, sie besteht aus lauter kleinen dunkeln Körnchen. In der vorderen Körperhälfte wird die Verdauung vollzogen, hier liegen in Vakuolen eingeschlossen fremde, von den Pseudopodien gebrachte Gegenstände: Pilzsporen, Algen u. dgl. Bei reichlicher Nahrungszufuhr sieht man oft fremde Körper die Aequatorialzone passiren und in den glasigen Abschnitt bis zu dem Zellkern vordringen, was beweist, dass beide Körperhälften durch keine Wand von einander geschieden sind. Ich muss indessen noch bemerken, dass der glasige Theil von dem vordem sich oft mehr oder weniger vollständig sondert. Er bildet dann einen kugeligen oder verschieden geformten Körper, der zwar keine Membran besitzt, jedoch eine deutliche Umgrenzung zeigt (Fig. 75, 76). Vielleicht hat diese Tatsache Schneider bewogen, den Difflugien eine Kapsel zuzuschreiben und dieselbe mit dem Reproduktionsorgan der Radiolarien zu vergleichen. Diese Annahme könnte in der Tatsache, die ich unten anführe, eine Stütze erhalten, dass in dem individualisierten glasigen Körper mitunter mehrere Kerne auftreten, die möglicherweise den Beginn einer Vermehrungsart andeutet. Andererseits darf ich nicht unerwähnt lassen, dass bei vielen Flagellaten ein Teil des Körpers ebenfalls eine glasige Konsistenz hat und wie bei unserem Rhizopoden häufig aus dem übrigen Inhalte in Kugelform ausgeschieden wird. Sollten künftige Beobachtungen zu Gunsten der Schneider‘schen Ansicht sprechen, so ist vorläufig wenigstens so viel gewiss, dass die Individualisierung des glasigen Körperinhaltes bloss unter gewissen Bedingungen auftritt, dagegen bei den weitaus meisten Exemplaren der Difflugien, Euglyphen, Flagellaten gehen beide Körperabschnitte ununterbrochen ineinander.
Nach dieser kurzen Abschweifung kehren wir zu unserer Monothalamie zurück.  Der vordere Teil des Körpers endet mit einem kurzen Hals, der weiter in zahlreiche schwach verzweigte, körnchenlose Pseudopodien ausstrahlt- In der äquatorialen Zone kommen 1—3 contractile Vakuolen zum Vorschein, die bei der Diastole buckelartig her vorgetrieben werden, Fig. 73. Jedoch ist ihre Anwesenheit nicht beständig; oft selbst bei aufmerksamer Betrachtung sucht man vergebens darnach.
Dieser nach dem Typus der Euglyphen gebaute Körper ist von einer loosen glashellen Schale, an der man die für Euglyphen charakteristische Skulptur vermisst, umschlossen. Sie endet mit einer terminalen oder etwas seitlich vom Scheitel abgewichenen Öffnung, die oft von einem kurzen Hals getragen wird; in der Mündung ist der dicke Pseudopodienstiel eingeklemmt. Die Form der Schale ist ovoid oder nierenförmig, ziemlich starr, jedoch bedeutender Gestaltänderung fähig. Bei anhaltender Beobachtung sieht man sie wie auch den eingeschlossenen Körper verschiedenste Formen annehmen (Fig. 75).
Aus dieser kurzen Beschreibung ist ersichtlich, dass unser Rhizopod eine Euglypha mit sculpturloser Schale darstellt ; er würde also eine neue Species derselben bilden können. Will man indessen die Dujardin'sche Diagnose der Euglypha, die die Skulptur der Schale als Hauptmerkmal einschliesst, aufrecht erhalten, was aus praktischen Gründen wünschenswerth erscheint, so müssen wir unsere Monothalamle zu einem neuen Genus erheben, sie mag den Namen Chlamydophrys stercorea führen.

Um den Entwickelungsgang der Chlamydophrys bequem zu beobachten, cultivirte ich sie in hängendem Tropfen und führte ihr als Nahrung reichlich Pilzsporen, besonders Oidium lactis, Euglenen u. dgl. zu. Bei dieser üppigen Ernährung beginnt nach einigen Tagen die Vermehrung. Es treten zuerst untereinander verbundene Individuen auf, welche den Anschein der Copulation erwecken (Fig. 77).
Bei aufmerksamer Beobachtung gewinnt man bald die Ueberzeugung, dass man hier im Gegentheil mit einer Vermehrung des Mutterthieres zu thun hat. Diese wird auf eine eigenthümliche Art ausgeführt.
Die Chlamydophrys treibt durch die Schalenöffnung eine protoplasmatische Ausbuchtung, in der man anfangs keinen Zellkern wahrnimmt, der jedoch später unabhängig vom Mutternukleus sich entwickelt. An dieser Pseudopodienplatte erscheint bald eine scharfe Contour, welche die junge, autiiegende Schale des neuen Individuum bezeichnet (Fig. 77). Kurz darauf oder noch vor der Schalenbildung treten aus der gemeinschaftlichen Protoplasmabrücke Pseudopodien strahlend auf. Zuletzt gehen beide Teile, das Mutterthier mit loser Schale, das  neugebildete mit eng anliegender, auseinander. Der hier geschilderte Vorgang ist für Rhizopoden nicht
neu, er wurde bei Arcellen von Cohn und Anderen beobachtet und als Copulation gedeutet.
Bei reicher Nahrungszufuhr bildet die Chlamydophrys, wie das Lecythium und die Microgromia traubenartige Colonien mit nach dem Vereinigungspunkt gerichteten Schalenöffnungen, Fig. 80, 81.
Durch ihre Grösse und Fähigkeit, in hängendem Tropfen zu gedeihen, ist die Chlamydophrys besonders geeignet, über Kolonienbildung Aufschluss zu geben. Soll eine Kolonie entstehen, dann wird das erste aus dem Mutterthiere hervorsprossende Individuum nicht abgetrennt, sondern bleibt mit ihm im Zusammenhange. Aus der gemeinschaftlichen Pseudopodienplatte tritt eine neue Wölbung auf, die sich nachträglich ihre Hülle und ihren Nucleus neu bildet, und ebenfalls mit ihren altern in Vereinigung bleibt u.s.w. (Fig. 78). Auf diese Weise entstehen Gruppen von einigen oder vielen Individuen, deren Leiber in eine gemeinschaftliche Pseudopodienplatte ausmünden.
Diese centrale Protoplasmamasse erreicht mitunter eine bedeutende Grösse und Ausdehnung und bildet dicke, verzweigte Protoplasmastränge, welche mit aufsitzenden Individuen überladen sind. Man erhält solche Bilder, wenn man durch leisen Druck des Deckglases die Glieder einer grossen Kolonie auseinander schiebt (Fig. 79). Die so entblöste Pseudopodienplatte hat ein feinkörniges Gefüge, enthält in Vakuolen eingeschlossene Nahrungsballen. Zellkerne für künftige Individuen sind nicht vorhanden.
Die hier in Kürze geschilderte Entwickelung der Chlamydophryscolonie unterscheidet sich also von der der Microgromia dadurch, dass bei der ersten die neuen Glieder durch nacheinander folgende Abschnürungen der Pseudopodienplatte, bei Microgromia unmittelbar aus dem Mutterthiere ihren Ursprung nehmen. Die Entwickelung der traubenartigen Verbände der Chlamydophrys wurde zuerst von Schneider gefunden und richtig beobachtet. Schneider deutete den Entwickelungsmodus der Kolonien als eine Knospung.
Bevor ich zu dem Ruhezustande der Chlamydophrys übergehe, muss ich noch einer Tatsache gedenken, die auf eine andere Vermehrungsart hinzudeuten scheint und für die Frage von der Mehrzelligkeit einiger Rhizopoden von Interesse sein könnte.
In meinen Culturen fand ich sehr häufig Chlamydophrys-Individuen mit zwei bis drei und mehreren Zellkernen (Fig. 74, 75). Ihre Entstehung schien unabhängig von dem Mutterkern zu erfolgen, wenigstens sah ich nie eine Theilung desselben. Wenn wir von der sehr zweifelhaften Vielkernigkeit der Seegromien absehen, so ist ausser Chlamydophrys noch Arcella, Actinosphaerium und die Nuclearia (F. Schulze s Heterophrys), die diese Eigenschaft theilt, zu nennen. Welche Bedeutung hat das Erscheinen vieler Kerne bei Chlamydophrys, zeigt es den Anfang einer Zoosporenbildung, oder einer Teilung? Es glückte mir leider nicht, irgend eine Tatsache aufzufinden, die mir über diese Vielkernigkeit hätte Aufschluss geben können.
Zu dem Entwickelungskreise der Chlamydophrys gehört noch ein Ruhezustand. Die Cystenbildung beginnt wie bei vielen anderen Protozoen bei allmähligem Austrocknen des Wohnortes. Beim Übergange in den Ruhezustand tritt bei der Chlamydophrys der ganze Körper aus der Schale heraus, nimmt außerhalb der Mündung oder noch in derselben eingeklemmt Kugelgestalt an und hüllt sich darauf in eine dicke Membran (Fig. 82—86). Der Inhalt dieser Cyste ist feinkernig und so dunkel, dass man in seine histologische Beschaffenheit keine Einsicht gewinnt. Die Cysten liegen gewöhnlich in Haufen vereinigt und von einer Zone fremder Teilchen umringt (Fig. 85, 88). Da die Grösse der Chlamydophrys außerordentlich schwankt, so sind auch ihre Cysten von verschiedensten Dimensionen, umso mehr, da die Pseudopodienplatte einer Kolonie mit dem Inhalte an ihr haftender Glieder in einen Körper verschmilzt und eine grosse Cyste bildet (Fig. 89). Solche gemeinschaftlichen Ruhezustände schliessen folglich den Inhalt mehrerer Individuen ein, deren Zahl durch die der Cyste aufsitzenden leeren Schalen angegeben wird. Wir haben hier wieder einen Verschmelzungsprozcess vor uns, der gewiss, wie die meisten ähnlichen Fälle, in keiner Beziehung mit einem Geschlechtsacte steht.
Die von Schneider beschriebenen Ruhezustände in welche übergehend der Körper der Chlamydophrys innerhalb der Schale in vier Sporen zerfällt, habe ich keine Gelegenheit gehabt zu beobachten.

 

Chlamydophrys stercorea - drawing from De Groot (pers. comm.)